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Fußball:
(1. FFC Turbine Potsdam)

Anja Mittags vierter Doppelpack

 
Inzwischen ist die Turbine so richtig auf Touren gekommen und läuft rund. In der Partie des 8. Bundesliga-Spieltags legte die Mannschaft von Trainer Bernd Schröder mit einem klaren 4:0-Sieg erneut nach und unterstrich eindrucksvoll ihre Form. Umso bedauerlicher, dass ausgerechnet jetzt vor den "Torbienen" eine mehrwöchige Liga-Pause liegt. Die U20-Weltmeisterschaft in Chile, zu der der 1. FFC Turbine Potsdam mit Desirée Schumann, Carolin Schiewe, Monique Kerschowski, Bianca Schmidt und Isabel Kerschowski gleich fünf Spielerinnen abstellt, macht es möglich, vielmehr - macht es nötig. Ihr nächstes Punktspiel absolvieren die "Torbienen" erst wieder am 14. Dezember gegen den FC Bayern München.
Zuvor hieß es am gestrigen Nachmittag aber erst einmal, gegen "so etwas wie unseren Anstgegner" (Anja Mittag), die SG Essen-Schönebeck, nach dem guten Lauf der letzten Wochen nochmal nachzulegen. Die Mannschaft von Trainer Ralf Agolli hatte einen guten Saisonstart hingelegt und bereits fünf Siege auf der Haben-Seite. Darunter ein 3:2-Erfolg gegen Vizemeister FCR Duisburg, was für nicht wenig Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Die Turbinen waren also gewarnt: "Das ist ein sehr unangenehmer und schwer zu bespielender Gegner", hatte Stürmerin Anja Mittag vor dem Spiel noch einmal gemahnt.
Dementsprechend konzentriert und engagiert starteten die Potsdamerinnen dann auch in die Partie. Die Gäste aus Essen wussten in der Anfangsviertelstunde kaum wie Ihnen geschah, Turbine drängte die SGS durchgängig in deren eigene Hälfte und ließ dem Gegner kaum Zeit zum Luftholen. Während die Potsdamerinnen also vorn einen Angriffswirbel vom feinsten entfachten und sich gute Chancen fast im Minutentakt erarbeiteten, so durch Anja Mittag (1., 3., 4.), Carolin Schiewe (2.) und Jessica Wich mit einem Pfostenschuss (10.) leistete sich die Potsdamer Defensive heute zunächst ungewohnte Unkonzentriertheiten. Da fehlten zunächst Abstimmung ebenso wie Zuordnung und auch die zunächst unsicher wirkende Desirée Schumann im Potsdamer Gehäuse stabilisierte den Abwehrverbund nicht unbedingt. So brannte es schließlich in der elften Spielminute auch lichterloh im Potsdamer Strafraum. Begünstigt von einer klaren Fehlentscheidu ng der Schiedsrichterassistentin, die gleich zwei im Abseits stehende Essenerinnen nicht sah, tauchte Stefanie Weichelt plötzlich allein vor der herausgeeilten Schumann auf, die den Ball mit Mühe noch abfälschen konnte, so dass er Zentimeter neben dem rechten Pfosten im Aus landete. Doch schien das nicht der notwendige Warnschuss für die Gastgeberinnen zu sein, die nach ihrer starken Anfangsoffensive nun nachließen. Die Essenerinnen witterten Morgenluft, ergriffen die sich bietende Chance und wurden nun zunehmend stärker. Zugleich traten die Gäste sehr aggressiv und druckvoll auf, das schien die ein oder andere Potsdamerin durchaus zu beeindrucken. Während das Spiel mehr und mehr verflachte, häuften sich die Standardsituationen, die in dieser Phase des Spiels noch die größte Torgefahr ausstrahlten. So klärte zunächst Sandra Deilmann nach einer Ecke von Isabel Kerschowski den Ball (22.). Nach je einem wirkungs losen Freistoß jeder Mannschaft (23., 24.) hatte die sehr agile Stefanie Weichelt nach einer knappen halben Stunde dann die 1:0-Führung auf dem Fuße, als sich Bianca Schmidt und Babett Peter uneinig waren, Weichelt aus elf Metern abzog und das Leder nur Zentimeter neben dem linken Pfosten einschlug (25.). Auf der anderen Seite landete wenig später ein Kopfball von Schmidt nach Mittag-Freistoß ebenfalls nur Zentimeter neben dem Pfosten (28.), Jessica Wich verpasste anschließend eine Hereingabe über die erneut stark aufspielende Isabel Kerschowski im Fünf-Meter-Raum (30.). Es war jetzt ein intensiv und sehr schnell geführtes Spiel beider Teams, welches die 837 Zuschauer im Stadion - unter ihnen etwa 30 mitgereiste SGS-Anhänger - zu sehen bekamen. Die Turbinen fingen sich nach einer halben Stunde Spielzeit, schalteten einen Gang höher und erhöhten nun den Druck in ihren Offensivaktionen. Zwar verbuchte zunächs t Stefanie Weichelt ihre dritte 100%ige Möglichkeit zum Führungstreffer ("das waren eigentlich schon 1000%ige" monierte SGS-Trainer Agolli nach dem Abpfiff), als sie an einer Hereingabe nur knapp vorbeirutschte und der Ball nahe des Turbine-Tores ins Aus kullerte (33.). Im Gegenzug trugen dann jedoch die Platzherrinnen einen mustergültigen Angriff vor, der das erlösende 1:0 für die Turbinen brachte. Anja Mittag startete flink über die linke Außenbahn, flankte in den Fünf-Meter-Raum auf die mitgelaufene Jessica Wich, die nur noch den Fuß hinhalten brauchte und nicht nur zum 1:0 einschob sondern gleichzeitig auch ihren ersten Saisontreffer erzielte (37.). Anja Mittag hatte kurz darauf gar das 2:0 auf dem Fuße, setzte einen Freistoß links aus 20 Metern jedoch knapp über das rechte Dreiangel hinweg (39.). Einen Schreckmoment gab es kurz vor dem Abpfiff dann für die Potsdamerinnen, als Viola Odebrecht plötzlich verletzt am Boden lag. Mit einem Verdacht auf Bänderriss im rechten Knöchel humpelte die Mittelfeldregisseurin vom Platz, für sie kam Leni Larsen Kaurin ins Spiel (43.). Zählbares tat sich in den verbleibenden Sekunden anschließend nicht mehr, so dass es mit der knappen 1:0-Führung für die Turbinen in die Pause ging.
Die zweite Spielhälfte startete wie der erste Durchgang. Turbine arbeitete druckvoll nach vorn und erspielte sich vom Anpfiff hinweg mehrere gute Einschussmöglichkeiten, agierte aber schließlich im Abschluss zu umständlich. Die Gäste, zunächst durchgängig in ihre Hälfte gedrängt, hatten mit Deniz Özer (für Sandra Deilmann) und Jennifer Voss (für Carina Chojnacki) zwei frische Kräfte auf dem Platz, was sich jedoch zunächst erst einmal nicht bemerkbar machte. Nach vorn ging für die SGS kaum etwas, Schumann im Turbine-Gehäuse verlebte nun einen ruhigen Nachmittag. Nachdem Sabrina Duhme in höchster Not rettete und den Ball ans Außennetz setzte, landete Mittags anschließender Eckball nach Faustabwehr von Torhüterin Löhr bei Bianca Schmidt, die mit ihrem Nachschuss das linke Dreiangel nur um Zentimeter verpasste (59.). Die Turbinen erspielten sich jetzt Sicherheit und kombini erten ansehnlich, während von den Gästen zunehmend weniger zu sehen war. Nach einem kraftvollen Antritt von Isabel Kerschowski über rechts, auf dem sie gleich mehrere Gegenspielerinnen stehen ließ, bewies die 20-Jährige ein gutes Auge, als sie auf die mitgelaufene und freistehende Jennifer Zietz ablegte, die aus acht Metern ins lange linke Eck vollendete (62.). Mit dem 3:0 durch Anja Mittag war die Partie schließlich vorentschieden. Die Stürmerin bewies Reaktionsschnelligkeit - als Löhr eine Hereingabe von Monique Kerschowski nicht richtig zu fassen bekam, pflückte sie der Torhütern den Ball von den Händen und schob aus Nahdistanz zu ihrem achten Saisontreffer ein (67.).
Die Essenerinnen wirkten nun völlig konsterniert und konditionell ausgelaugt. Hatte die kraftvolle und temporeiche erste Halbzeit zuviel Kraft gekostet? Die SGS zog sich weit in die eigene Hälfte zurück und sorgte kaum noch für Offensivakzente. Für die einzige nennenswerte Torchance der Gäste im zweiten Durchgang sorgte in der 77. Minute einmal mehr Stefanie Weichelt, die an einer Hereingabe von Susanne Kasperczyk vorbeirutschte und dabei unglücklich mit Potsdams Abwehrchefin Babett Peter zusammenrasselte. Beide Spielerinnen konnten jedoch nach kurzer Behandlung weiterspielen. Die Potsdamerinnen spulten routiniert ihr Programm ab und krönten ihre Leistung schließlich mit dem Treffer zum 4:0-Endstand. Aus zehn Metern versenkte Anja Mittag den Ball mit einem platzierten Schuss an Löhr vorbei zwischen den Pfosten und erzielte damit bereits ihren vierten Doppelpack in dieser Saison (83.).
Einen "hochverdienten Sieg" der Gastgeberinnen konstatierte nach dem Abpfiff Essens Trainer Ralf Agolli. "Wir versäumen es jedes Mal, wenn wir hier im "Karli" sind, die Tore zu machen", grummelte er, bescheinigte seiner Mannschaft jedoch, sich davon abgesehen in der ersten Spielhälfte an die seine Vorgaben gehalten zu haben: "Wir wollten die Räume eng machen, das ist uns gelungen. Wir hätten in der ersten Halbzeit gut und gern auch 3:0 führen können. Dann wäre das Spiel ganz anders gelaufen", trauerte Agolli den vergebenen Chancen nach. Die Umstellungen in der zweiten Halbzeit brachten dann nicht mehr den gewünschten Erfolg, gestand der SGS-Coach ein, "Turbine hat viel Druck gemacht und war uns am Ende athletisch und physisch einfach klar überlegen, bei uns kam auch noch ein wenig Pech dazu. Wir haben den Gegner ja dann regelrecht zum Tore schießen eingeladen". Zugleich kö ;nne sein Team die Ausfälle von Spielmacherin Melanie Hoffmann sowie der beiden U17-Nationalspielerinnen Inka Wesely und Isabell Linden, die zurzeit mit der DFB-Auswahl die U17-WM in Neuseeland bestreiten, nicht einfach kompensieren.
Zwar musste auch Turbine Potsdam auf seine zwei U17-Nationalspielerinnen Tabea Kemme und Marie-Louise Bagehorn verzichten, doch waren sich beide Vereine einig gewesen, das Spiel trotz der Abstellungen auszutragen, "wann sollten wir die Spiele denn nachholen?", so Trainer Bernd Schröder. Mit der Leistung seiner Mannschaft zeigte sich der 66-Jährige zufrieden, "es war ein verdienter Sieg, wenngleich wir uns einige individuelle Fehler geleistet haben. Wir hätten durchaus noch höher gewinnen können, die Chancen dazu waren da. Schließlich hat sich die bessere Physis und das hohe Tempo ausgezahlt", frohlockte Turbines Trainer, der sein Team auf "einem guten Weg" sieht. Angesprochen auf die fünfwöchige Bundesliga-Pause erklärte Schröder, dass man sich nach dem DFB-Pokal-Spiel am kommenden Sonntag gegen den Mellendorfer TV dann voll und ganz auf das Rückspiel gegen den FC Bayern München konzent rieren werde: "Wir werden unsere Kräfte bündeln und uns intensiv auf dieses Spiel vorbereiten, schließlich haben wir dort etwas gut zu machen ".


Original-Pressemitteilung
Artikel vom 04.11.2008, 08:48 Uhr

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